Mit dem Müllabfuhrsimulator 2008 dürfen wir einen neuen König über die Spiele, die niemand braucht, krönen. Er ist der legitime Nachfolger in der Blödelspiele-Monarchie und beerbt somit den legendären
Pizza Commander. Wir haben das Spiel in der Demoversion gespielt und berichten nun von unseren monotonen Einsätzen in mickrigen Vorstädten.
Unternehmensgründung
Allein der Titel des Spiels ist pure Ironie. Welcher Spieler denkt sich: „Oh, ein Müll-Spiel, ist bestimmt toll.“ Aber jedes Programm hat ein Anrecht darauf, getestet zu werden. Also haben wir es auf die Festplatte gepackt und gestartet. Wider erwarten dürfen wir in relativ übersichtlichen Menüs unser Unternehmen gründen. Unsere erste Amtshandlung besteht darin, einen Kredit aufzunehmen. Natürlich handeln wir nach dem Motto „Klotzen statt Kleckern“ und besorgen uns gleich 10000 Euro – der höchste Kredit. Mal ehrlich: Welches Müllauto bekommt man für 10000 Euro? Aber gut, wir lassen uns davon nicht beirren und stellen Alex, Bruno und Manne ein, drei ambitionierte Müllmänner. Unser Müllwagen muss umlackiert werden, da wir eine andere Unternehmensfarbe haben als der Vorbesitzer. Nun weisen wir unser Kleinod und die drei Burschen in den Dienstplan ein und schon kann es losgehen.
In den doch recht übersichtlichen Menüs verwalten wir alles.Unser erster und letzter Auftrag
Unter dem Reiter „Aufträge“ stehen alle selbigen, die von offenbar anonymen Auftraggebern stammen. Jemand Bestimmtes ist nicht aufgeführt. Es wird kurz geladen, schon stehen wir in der Vorstadt I: Bauwiesen. Schräger Name, schräge Gegend. Hier sehen die Häuser aus, als wären sie in Paint gemalt worden, auch die Bodentexturen sind der reinste Matsch. Vor allem die Vorgärten erinnern eher an Schlemmerfilet als an alles andere. Zum Glück ist die Steuerung da recht eingängig und auch ohne Bedienungsanleitung finden wir schnell alle wichtigen Tasten. Allerdings wird das auch wieder dadurch relativiert, dass man kaum Tasten braucht. Man macht de facto nichts, außer Mülltonnen und -säcke einzusammeln. Da retten auch die unterschiedlichen Aufträge nichts mehr – mal sammelt man Recycling-Müll ein, mal darf man Biomüll zerstampfen –, zumal sich alle Müllarten gleich spielen.
In der verpixelten Stadt sammeln die Angestellten Tonnen ein.Realismus? Fehlanzeige!Jedenfalls fährt man durch die Gegend und hält dann an den Mülltonnen, stellt den Motor ab, wechselt den Müllmann, steigt ab, holt die Tonne, leert sie aus, schiebt sie zurück. Das wiederholt man dann noch zehn weitere Male und bekommt seine rund 100 Euro dafür. Recht mau, aber es geht noch enttäuschender: Wir können wie die letzte Wildsau über die Straßen ballern, das interessiert niemanden, bis wir über Rot fahren, was uns 50 Euro Strafe kostet, oder einen Fußgänger umfahren, dann wird der Auftrag abgebrochen. Ein Schadensmodell gibt’s natürlich nicht. In Autos können wir reinfahren, bis wir irgendwo in der Motorhaube schlagartig stehen bleiben. Wenn wir rausfahren, geht’s munter weiter. Die Straßenordnungen sind also vorhanden, freilich nur sehr rudimentär. Überdies können wir auch noch saftig zahlen, wenn wir dampfenden Müll mitnehmen. Das ist nämlich radioaktiver Müll – in einer Wohnsiedlung... Sehr frustrierend und wenig realistisch. Den Titel „Simulator“ zieht man hier ein weiteres Mal durch den Dreck, und zwar mit einem Spiel für den Müll. Lassen Sie besser das Müllauto im Fuhrpark und kaufen Sie sich lieber 15 Überraschungseier. Die bekommt man nämlich auch für 15 Euro, die der als Simulator verkannte Schmutz kostet, und somit eine absolute Frechheit ist. Kurzum: Ein herber Faustschlag ins Gesicht des zahlenden Spielers.
Furchtbar ärmlich sieht der Fuhrpark des Unternehmens aus.