„Reibt ihm Säure in die Augen, damit er wach wird!“, auf eine so freundliche Art und Weise werden wir von einigen stupiden kleinen Viechern und deren Kommandeur in
Overlord geweckt. Wir wurden als neuer Herrscher ins Leben gerufen, um Böses über das Land zu bringen. Das hört sich ziemlich nach 08/15-Spiel an, was es allerdings keineswegs ist. Wir sollen zwar Böses tun, aber auf eine so unglaublich abgedrehte Weise, dass man nur Tränen lachen kann. Kurz zur Vorgeschichte: Die sogenannten „Gutmenschen“ haben Ihren Vorgänger, den alten Overlord, getötet und dessen Regierungszentrum, den Dunklen Turm, zerstört. Und in eben diese Position des neuen Overlords treten Sie am Anfang des Spiels. Jetzt können wir aber die Welt ins Chaos stürzen.
HäuslebauerDa sie den jüngst zerstörten Dunklen Turm übernehmen, müssen natürlich einige Reparaturen durchgeführt werden, um ihn wieder auf Vordermann zu bringen. Dazu bereisen Sie grundverschiedene Areale wie etwa die goldenen Berge, die Heimat der Zwerge sind, den Dunkelwald, der aus von Bäumen gesäumten Sümpfen besteht, oder das Hügelland, in dem die Halblinge beheimatet sind. Zunächst werden wir mit etwas Restenergie in das Hügelland teleportiert, in dem wir das Turmherz suchen sollen. Dieses wird benötigt, um Sie auch fortwährend in jedes Gebiet zu beamen, über das Unheil gebracht werden soll. Wenn Sie das Turmherz gefunden haben, wird es nicht etwa von Ihnen selbst getragen, nein, dafür gibt es doch Schergen, kleine, dumme Viecher, die erstaunlich viel Abwechslung ins Spiel bringen, und immer wieder zum Lachen anregen – dazu aber später mehr. Klar, von einem Turmherz, so essentiell es auch sein mag, baut sich kein ganzes Gebäude auf. Sie wollen schließlich auch noch die anderen Räume ihres Turmes betreten können, zumal sie Ihnen einige, nicht gerade unwichtige Vorteile bringen. Danach schwärmen wir beispielsweise wieder aus, um einen Kran zu organisieren, der sich perfekt eignet, Steine aus dem Weg zu räumen und wieder an ihren ursprünglichen Ort zu bringen. So können wir nach einer Weile die Arena betreten, in der Sie unter dem Jubel all Ihrer Schergen die bereits entdeckten Gegner ihrer Wahl gehörig vermöbeln dürfen. Ein anderes Beispiel: Im weiteren Spielverlauf erhalten wir den Zugang zur turmeigenen Waffenschmiede - auch hierfür sammeln wir im Spiel wieder zwei verschiedene Schmelzöfen - in der wir neue Waffen schmieden oder verbessern können, allerdings wurde auf unseren Systemen der Vorgang des Verbesserns verschiedener Waffen trotz Patch 1.2 immer abgebrochen bzw. nicht zu Ende ausgeführt. Das Schmieden läuft nicht ab, wie man es sich vielleicht vorstellen würde. Wir können entscheiden, ob und wieviele Schergen wir mit in die Lava springen lassen wollen. Je nach Schergentyp wird dann die Waffe mit unterschiedlichen Boni ausgestattet.
Kniet nieder, meine Schergen!Nun aber zu den bereits oben erwähnten Schergen. Sie sind eines der zentralsten Elemente in
Overlord. Zu Beginn des Spiels stehen uns nur braune Schergen zur Verfügung, wir können auch nur fünf der kleinen Racker kontrollieren. Sie sind der Grundstein einer schlagkräftigen Armee aus Schergen. Per Linksklick schicken Sie die Schergen nach vorne, wo sie gegebenenfalls ein Ziel angreifen, mit einem Rechtsklick rufen Sie die wuseligen Gestalten zurück, mit einem langen Rechtsklick kehren alle zu Ihnen zurück. Nicht gerade intuitiv, aber auch nicht kompliziert, die Steuerung. Die Schergen zeigen keine Hemmungen, auch normale Kisten, die unschuldig in der Gegend herumstehen, zu zerschmettern. Mit etwas Glück befindet sich darin Ausrüstung, was den Ausrüstungswert Ihrer Schergen steigen lässt. So kämpfen sie effektiver, sind aber natürlich auch nicht unsterblich.
Ihre Helferlein setzen sich selbstverständlich nicht dauerhaft aus nur braunen Schergen zusammen, sondern Sie finden noch andere Schergen, deren Nest Sie einfach über den Teleporter in Ihren Turm bringen müssen, um sie dauerhaft herbeirufen zu können. Jeder Schergentyp hat seine eigenen Fähigkeiten: Wo rote Schergen Feuerstellen beseitigen können und gute Fernkämpfer sind, gehen grüne Schergen spielend durch Giftwolken und beseitigen sie für Sie. Deren blaue Artgenossen heilen verletzte Kollegen, kämpfen dafür nur sehr schlecht. Ein gezielter Einsatz will also an den Tag gelegt werden, um die Levels bestehen zu können. Natürlich bleibt es nicht dauerhaft bei dem anfänglichem Limit von fünf kontrollierbaren Schergen. Gelegentlich finden Sie Objekte, mit denen Sie das Limit anheben können. Diese Objekte müssen übrigens Ihre Schergen tragen. Wenn Ihre Untertanen einmal durch äußerst seltene Wegfindungsprobleme herumbocken sollten, können Sie sie einfach umtreten. Das hat zwar keinen spielerischen Nutzen, macht dafür aber umso mehr Spaß.
So böse bin ich gar nichtZwar steht die böse Seite stets im Vordergrund, dennoch haben Sie die Option, einzelne Aufgaben eher gutherzig zu erfüllen oder eher hinterlistig zwecks Eigennutzen zu Ende zu führen. In Wilfrieds Küche etwa mussten wir ein großes Nahrungspaket mit allerlei Schlemmereien wiederfinden und sollten es eigentlich zurück ins Dorf Rauschingen bringen. Das hätte uns Beliebtheit eingebracht, wir haben uns aber dafür entschieden, es für uns zu beanspruchen. Um ein anderes Beispiel zu nennen: Nach der Vernichtung eines Bossgegners wurden wir vor die Wahl gestellt, die Elfen zu retten oder Gold zu klauen. Wer hier das Gold dem Fortbestand der Elfen vorzieht, muss mit höherer Verderbtheit rechnen. Diese macht Ihren Overlord stärker, lässt ihn also effektiver Kämpfe bestreiten, so lässt sich aber auf die Dauer kein Plan der bösen Herrschaft durchführen, da die Anhänger fehlen. Das Spiel erlaubt also zweigleisigen Fortschritt, der sich auch im Dunklen Turm bemerkbar macht: Der Narr, den Sie im nahtlos in den Spielablauf eingefügten Tutorial eins auf den Deckel hauen, klebt Ihnen wie eine Klette an den Versen, sofern Sie sich gerade im Turm aufhalten und ruft Ihnen etwa Folgendes zu: „Der Overlord, Meister der Arkanium-Schmiedekunst und Retter der Elfen.“ Ein eindeutiges Atmosphäreplus. Da wir so gut waren, diesen Artikel zu schreiben, müssen wir uns nun wieder um unsere Verderbtheit kümmern und noch mehr Böses tun, und zwar in Form einer weiteren Runde
Overlord.