Zugegeben sagt die Überschrift nicht allzu viel über den Artikel aus. Geben Sie mir eine Chance, meine Aussage zu konkretisieren. Jeder deutsche Strandurlauber kennt den blanken Hans, der lediglich eine andere Bezeichnung für die raue Nordsee ist. Moritz ist nicht etwa ein Mensch, sondern eine Möwe, eine Sturmmöwe, um genau zu sein. Die beiden verbindet eines, denn Sturmmöwen wie Moritz leben unter anderem auf der Nordseeinsel Amrum, auf der ich dieses Jahr zum zweiten Mal Urlaub gemacht habe. Lesen Sie in Folgendem meine spannenden Geschichten von dort sowie Wissenswertes über die Insel an sich.
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Entschuldigen Sie diese Überschrift, denn ganz genau genommen hat Amrum nicht vier, sondern nur drei Ortschaften, die da Nebel, Norddorf und Wittdün wären. Allerdings gehört Süddorf zu Nebel, weswegen man je nach Belieben drei oder vier Ortschaften zählen kann. Wie dem auch sei: Ich gebe Ihnen einen Eindruck von dem, wie ich finde, schönsten Örtchen der Insel, Nebel, einem wahrlich entzückenden Kleinod, das da mit seiner Beschaulichkeit lockt. Es bietet einige Sehenswürdigkeiten wie etwa die Mühle, die ein Heimatmuseum beherbergt und im Sommer als Kunstausstellung dient. Sie ist ein sogenannter Erdholländer, was heißt, dass sie im Stil einer typischen holländischen Windmühle gebaut wurde, um die Kappe, also das Dach, zwecks effizienterer Windausnutzung drehen zu können.
Neben der Windmühle findet man in Nebel die um 1200 erbaute St. Clemens-Kirche, die außer den üblichen evangelischen Gottesdiensten auch katholische Messen mit Gastpfarrern feiert – allerdings nur in der Saison.
Schön, so ein Reetdachhaus, vielleicht ziehe ich im Ruhestand dorthin.Der Tourismus als Lebensader
Sicherlich ist anzumerken, dass es auf Amrum auch eine Schule gibt, aber trotzdem leben die meisten der rund 2300 Einwohner hauptsächlich vom dortigen Tourismus. In erster Linie verdienen selbstverständlich die Vermieter sowie die Eigentümer der Häuser an den Übernachtungen, deren Zahl sich im Jahre 2005 auf etwa 1,1 Millionen belief, was wiederum 120000 Übernachtungsgästen entspricht. Freilich gibt es dann auch diverse andere Anbieter, die ohne die Ausflügler und Urlauber ihre Brötchen nicht verdienen könnten. Etwa machen die Fähranbieter, die Geschäfte, sämtliche Cafés sowie die Anbieter der Führungen durch Dünen und Häfen nur durch Gäste der Insel Umsatz. Auch mein Geld floss in die Taschen der Insulaner. Ich habe nämlich bei einer Führung durch den Wittdüner Seezeichenhafen teilgenommen, die an sich ein recht spannendes Thema behandelte, nämlich das Auslegen von Bojen, allerdings erstreckte sie sich über einen Zeitraum von zweieinhalb Stunden, die mich locker das Zehnfache davon dünkten – eine Stunde hätte es auch getan. Die Dünenwanderung indes war schon eher amüsant. Die Entstehung der Insel Amrum selbst sowie Wissenswertes über Flora und Fauna hat man in einer rund zweistündigen bündigen Führung erfahren. Übrigens wurde sie von einem Zivildienstleistenden abgehalten. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit, angenommen zu werden, nicht besonders groß, aber ein Versuch ist es wert, da man dann für ein Jahr mehr oder weniger Urlaub machen kann. Sogar mit einem kleinen Nebenverdienst.
Wer zum Wasser gelangen will, muss einen rund 2,5 Kilometer langenMarsch über die Dünenlandschaft, über der eine bedrohliche Wolken-decke thront, in Kauf nehmen.Moritz, die Möwe und Konsorten
So, nun endlich zu den Tieren der Insel. Bedingt durch das raue Klima der Nordsee, können auf Amrum nur Lebewesen beheimatet sein, die in der Lage sind, dem Wetter zu trotzen. Daher trifft man dort nur auf kleine Säugetiere wie etwa Hasen, Igel und Mäuse. Und was wäre ein Nordseeinsel ohne Seelebewesen? Natürlich gibt es auf den Sandbänken von Amrum auch Seehunde und Kegelrobben, die man mit Glück auf See antreffen kann. Bei der Abreise hat sich dieses Jahr ein junger Seehund ins Hafenbecken verirrt. Vielleicht hat er sich auch nur durch die Strömung dorthin treiben lassen, um etwas Futter zu erhaschen. Jedenfalls leben auch weiter draußen Schweinswale, von denen ich allerdings noch keinen zu Gesicht bekommen habe. An der rauen See halten sich bekanntermaßen auch viele Vögel auf. In erster Linie sind dies Enten und Möwen, womit wir bei der Geschichte mit Moritz wären. Er ist, wie gesagt, eine Sturmmöwe. Wie Sturmmöwen so sind, fressen sie alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Wenn man ihnen Mäusespeck vor die Füße wirft, ist er im Nu aufgefressen. Auch ein paar feurige Chilichips verschmäht so eine Sturmmöwe als kleinen Imbiss nicht. Im nächsten Jahr besuche ich die Insel wieder und dann wird sich zeigen, ob Moritz mich noch erkennt, und ob er dann auch immer noch so gefräßig ist.
Der gefräßige Moritz, eine Sturmmöwe, verschmäht auch feurigePepperoni-Chips als kleinen Imbiss nicht.