Wenn man der Schöpfungsgeschichte Glauben schenken darf, erschuf Gott die Welt in sieben Tagen. Er dachte sich die Erde aus, schuf Bäume, Meere, Lebewesen und Flüsse. Genau, auch die Flüsse, womit die Problemstellung gegeben wäre: Welchem Geschlecht rechnet man ihn an, den Fluss? Vielleicht muss man zunächst an den Ursprung der drei deutschen Artikel herangehen. Da gibt es die Geschichte, dass damals, als die deutsche Sprache entwickelt wurde, alle Wörter in einem großen Korb lagen. Dann hat man diese Wörter auf drei kleinere Körbe aufteilen wollen, die allerdings auf einer Waage standen. Der Ablauf ist klar, die Wörter wurden ungleichmäßig verteilt und die Waage begann auf einer Seite zu kippen. Also musste man die anderen Wörter schnell verteilen, um alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Zum Schluss wurden die Körbe mit den drei Artikeln versehen und fertig war das Werk.
Die Sprachen um den FlussLeider ist damit noch nicht die Frage geklärt, sondern nur, wie die Artikel im Deutschen entstanden sind, und dass man in Deutschland
der Fluss sagt. Schauen wir uns das Genus des Flusses in anderen Sprachen an. Im alten Rom beispielsweise, im Lateinischen also, war der Fluss (flumen) neutral. Das findet man heutzutage in keiner Sprache mehr. Im Französischen sagt man genauso wie im Deutschen
der Fluss (le fleuve). Demnach könnte es sein, dass in Frankreich und in Deutschland mehr männliche Flüsse zu finden sind. Machen wir dazu die Probe aufs Exempel: Die großen Flüsse Frankreichs heißen La Garonne, La Seine und La Moselle und sind somit weiblich. Bleibt nun noch in Deutschland die Hoffnung, dass die Überlegung aufgeht. Also: Die Isar, die Ruhr, die Mosel, die Oder und die Elbe, nur um einige zu nennen. Eine Lösung auf die Frage stellt es daher wieder nicht dar. Eventuell muss man auch dahin gehend argumentieren, dass es keine neutralen Flüsse gibt, weil nahezu kein Latein mehr gesprochen wird. Es wird mehr Deutsch gesprochen, dementsprechend mehr Flüsse gibt es auch, die maskulin sind. Weitaus mehr als Deutsch ist Französisch verbreitet, weshalb auch viele Flüsse feminin sind. Wem das schon als Antwort genügt, der braucht ab hier nicht mehr weiterzulesen...
Die Tiere in dem Fluss...andernfalls liest man weiter, was als Indiz dafür gelten dürfte, dass man mit der bisherigen Lösung nicht leben kann, weshalb man kompliziertere, absurdere Denkrichtungen einschlagen muss. Kann man etwa mit der Länge eines Flusses etwas bewerkstelligen und der Lösung dieser vermeintlich unlösbaren Frage etwas näher kommen? Sind etwa lange Flüsse männlich und kurze Flüsse weiblich? Da wäre der Nil mit Längenwerten zwischen 6500 und 7200 Kilometern. Neben dem Mississippi, der stolze 3778 Kilometer misst, gibt es da noch den Missouri, der fast identische 3767 Kilometer hinlegt. Das sind alles maskuline Flüsse. Freilich stellen die ebenfalls männlichen Flüsse Rhein, Main und Po mit zwischen 500 und 1500 Kilometern Gegenbeispiele dar. Wieder kein Erfolg. Noch absurder wäre die Untersuchung auf die Fauna in den Gewässern, vielleicht auf die Anzahl der dortigen Tierarten abzielend. Im Nil haben wir zum Beispiel Nilkrokodile, Nilhechte, Nilgänse, Nil-Grasratten, Nilwarane sowie Flusspferde. An der Elbe leben mit Fischottern, Kranichen, Rotbauchunken, Laubfröschen, Wollhandkrabben, Flussbarben, Lachsen, Forellen und Konsorten ähnlich viele Tiere. Wie man merkt, kommen wir zu keinem wirklich zufrieden stellendem Ergebnis und sind genauso weit wie am Anfang. Wenn der liebe Gott damals auch noch ein festes Genus des Flusses erschaffen hätte, müsste es diesen Artikel gar nicht erst geben.